Lohne unter der Herrschaft des Fürstbischofs von Münster
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Einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte unseres Raumes stellt das Jahr 1252 dar. Die Gräfinnen Sophia und Jutta von Ravensberg, Mutter und Tochter, verkauften den Ravensbergischen Besitz einschließlich Vechtas an den Bischof von Münster für 40.000 Mark. Das entsprach einem Gegenwert von 9.360 kg Silber. Im Jahre 1400 verloren die Tecklenburger Grafen das Cloppenburger Gebiet an den Münsterschen Bischof, und Vechta und Cloppenburg wurden mit dem Emsland zum Niederstift Münster vereint. Die kirchliche Oberhoheit aber verblieb bis 1667 beim Bistum Osnabrück.

Das Spätmittelalter war für das Niederstift Münster eine friedlose Zeit. Händel und Fehden des Bischofs von Münster vor allem mit dem Bischof von Osnabrück und den Grafen von Oldenburg brachten in dieser Zeit für den als Außenposten von Münster zwischen Oldenburg und Osnabrück gelegenen Landesteil einen ständigen Zustand der Unsicherheit.

Lohne gewann im Spätmittelalter durch sein Gogericht einige Bedeutung. Es umfaßte die Kirchspiele Lohne und Dinklage. Am Ende des 15. Jahrhunderts unterstand es dem Fürstbischof von Münster, der es durch seine Richter in Vechta verwalten ließ. Der Gerichtsplatz lag auf dem heutigen "Alten Markt".

Durch die Jahrhunderte blieb Lohne eine rein bäuerliche Siedlung. Überwiegend waren die Bauern eigenhörig und schollenpflichtig, d. h. sie besaßen ihre Höfe nicht als Eigentum, obwohl sie diese selbständig bewirtschafteten. Sie waren dem adligen Grundherren zu Dienstleistungen und Abgaben verpflichtet. Schollenpflichtigkeit beinhaltete, daß der Bauer an die Scholle gebunden war; er durfte also seine Hofstelle nicht ohne Genehmigung des Grundherrn verlassen, es sei denn, er konnte sich freikaufen. Häufig wurden in kriegerischen Zeiten Höfe niedergebrannt und Ernten vernichtet. So war es für die Bauern günstiger, im Schutz eines Grundherrn zu leben, auch wenn sie damit ihre persönliche Freiheit und das Recht an ihrem Eigentum verloren.

In der ersten Hälfte des 16. Jh. breitete sich die Reformation als religiöse Erneuerungsbewegung in Deutschland aus. Fürstbischof Franz von Waldeck, der als Bischof von Münster Landesherr und als Bischof von Osnabrück geistlicher Oberhirte war, beauftragte 1543 Hermann Bonnus aus Quakenbrück mit der Einführung der neuen Lehre im Niederstift. So wurde auch Lohne für siebzig Jahre lutherisch.

Im Dreißigjährigen Krieg fanden in Lohne keine großen kriegerischen Ereignisse statt. Doch durchziehende Truppen, Einquartierung und Besetzung sowie zwangsweise erhobene Abgaben fügten der Bevölkerung großen Schaden zu, wobei es keinen Unterschied machte, ob es sich um eigene oder feindliche Truppen handelte. Im Verlauf des Krieges setzten sich die Schweden im Raum Vechta fest. Wie schwer das Kirchspiel Lohne betroffen war, zeigen die vielen verwüsteten Bauernhöfe, stark reduzierte Viehbestände und die deutlich verringerte Bevölkerungszahl. Es dauerte mehrere Generationen, ehe die größten Schäden behoben und die Verluste ausgeglichen waren.

Ungeachtet der kirchlichen Oberhoheit des Bischofs von Osnabrück hatte der schon vor Kriegsbeginn 1612 gewählte Bischof von Münster und Erzbischof von Köln Ferdinand von Bayern die Wiederherstellung des katholischen Kirchenwesens eingeleitet. Er beauftragte mit dieser Aufgabe im Niederstift den münsterschen Generalvikar Dr. Johannes Hartmann. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges behindert, wurde die Rekatholisierung erst in der zweiten Hälfte des 17. Jh. abgeschlossen.

Christoph Bernhard von Galen, seit 1650 Bischof von Münster, war ein tatkräftiger und einfallsreicher Politiker und ein großer Kriegsmann, eine Eigenschaft, die ihm den Namen "Bomben-Bernhard" eintrug. Er bewirkte nach zähen Verhandlungen und durch Zahlung von 142.634 Reichstalern 1654 den Abzug der Schweden aus Vechta. Der neue Landesherr war nach Kräften bestrebt, die verheerenden Kriegsfolgen zu beseitigen.

1667 gelang es dem Fürstbischof nach langem Bemühen und nach Zahlung von 10.000 Reichstalern an das Domkapitel von Osnabrück, auch die geistliche Jurisdiktion über das Niederstift Münster zu erhalten.

Nach dem Tod Christoph Bernhards von Galen blieb das Niederstift für mehrere Jahrzehnte vom Krieg verschont. Erst im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) forderten durchziehende Truppen aller Kriegsparteien und eine längere Besetzung durch ein hessisches Jägerkorps der Bevölkerung wieder hohe Opfer ab. In den auf die Französische Revolution folgenden Napoleonischen Kriegen gab es in Lohne 1801 und 1803 Durchmärsche und kurze Einquartierungen durch hannöversche und preußische bzw. französische Truppen.

Bis zum Zeitalter Napoleons (1799-1815) blieb die agrarischständische Gesellschaftsordnung erhalten. Über achtzig Prozent der Bevölkerung war im Niederstift Münster in der Landwirtschaft tätig. Doch innerhalb dieser Ordnung vollzog sich seit dem 16. Jh. ein entscheidender Wandel. Es entstand neben den Knechten, Mägden und Tagelöhnern eine neue bäuerliche Unterschicht - die Heuerlinge.

Auszug aus dem ”Stadtführer Lohne”
Hrsg. vom Heimatverein Lohne e.V.
und vom Industriemuseum Lohne e.V.
Plaggenborg Verlag
ISBN 3-929358-06-9

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