Lohne in der Weimarer Republik und während der NS-Diktatur
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 Nach der Revolution 1918 wurde aus dem Großherzogtum Oldenburg ein "Freistaat" und ein Land der Weimarer Republik. War die Revolution in Oldenburg äußerst gemäßigt, so fand sie im Oldenburger Münsterland praktisch überhaupt nicht statt. Die katholische Bevölkerung bekannte sich bei den ersten Wahlen mit über 90 Prozent zur Zentrumspartei, wie sie es auch schon im Kaiserreich getan hatte.

In der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus waren die Lohner überwiegend in der Landwirtschaft tätig, wenn auch der Anteil der in der expandierenden Industrie Beschäftigten ständig stieg. Der bedeutendste Industriezweig wurde in dieser Zeit die Korkverarbeitung. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war jeder zweite Lohner Arbeiter in einer Korkfabrik tätig, und die Hälfte der in Deutschland produzierten Flaschenkorken kam aus Lohne.

Im Norden des überwiegend agrarisch strukturierten Freistaates Oldenburg führte die seit 1928 einsetzende Landwirtschaftskrise zum Anwachsen des politischen Extremismus. Bereits im Mai 1932 konnten die Nationalsozialisten die Mehrheit der Mandate im Oldenburger Landtag erringen. Sie stellten mit Carl Röver den ersten nationalsozialistischen Ministerpräsidenten einer Landesregierung in Deutschland. Im Gegensatz zu Nordoldenburg war die Zustimmung für die NSDAP im Oldenburger Münsterland gering. Nach wie vor war die Region bis zur Märzwahl 1933 eine Hochburg des Zentrums.

Nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten wuchs auch im Oldenburger Münsterland die Zahl der Mitglieder und Sympathisanten der NSDAP. Viele Menschen ließen sich durch Hitlers Maßnahmen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit und zur Linderung der Landwirtschaftskrise beeindrucken. Auch seine außenpolitischen Erfolge bei der Revision des Versailler Vertrages machten großen Eindruck bei vielen national gesinnten Südoldenburgern, ohne daß sie seine wahren Ziele durchschauten. Zustimmung fand auch Hitlers vermeintlich kirchenfreundliche Haltung beim Abschluß des Reichskonkordats mit dem Heiligen Stuhl am 20. Juli 1933 und sein anfängliches Bekenntnis zu einem "positiven Christentum". Doch schon bald danach zeigte sich der antireligiöse Charakter der nationalsozialistischen Weltanschauung, der auf den entschiedenen Widerstand der treu zu ihrer Kirche stehenden großen Mehrheit der Oldenburger Münsterländer stieß. Zielstrebig suchten die Nationalsozialisten daher, den Einfluß der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit zurückzudrängen. Das mußten auch Lohner Geistliche mehrfach erfahren, die man bei der Ausübung ihrer seelsorgerischen Tätigkeit behinderte. Pastor Wilhelm Bitter, Pfarrer von St. Gertrud, wurde 1940 wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung von der Gestapo verhaftet und vier Monate lang inhaftiert.

Pastor Bitter hatte in einem Brief an die eingezogenen Soldaten seiner Pfarre von der Stiftung eines großen Kreuzes für St. Gertrud berichtet Er schrieb, es habe eigentlich ein Triumphkreuz werden sollen, nun sei aber ein Karfreitagskreuz daraus geworden. Dieser Satz wurde von der Gestapo so gedeutet, als habe Pastor Bitter den Glauben der Soldaten an den Sieg Deutschlands erschüttern wollen. Auch der Kaplan von St. Gertrud, Josef Meyer, machte sich 1940 desgleichen "Vergehens" schuldig, weil er einen standesamtlich getrauten Soldaten zur kirchlichen Trauung habe überreden wollen. Er kam im Gegensatz zu Pastor Bitter mit einer Abmahnung durch den NS-Kreisleiter glimpflich davon.

Von entscheidender Wichtigkeit war es für die Nationalsozialisten, die Jugend in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dazu sollte das konfessionelle Schulwesen im Oldenburger Münsterland abgeschafft werden. Höhepunkt dieser Bestrebungen war der sogenannte "Kreuzkampf". Als Abschluß einer Reihe religionsfeindlicher Maßnahmen hatte am 4.11.1936 der damalige nationalsozialistische Minister der Kirchen und Schulen im Lande Oldenburg, Pauly, in einem Erlaß angeordnet, daß aus allen öffentlichen Gebäuden und Schulen "konfessionelle Zeichen" wie Kruzifixe und Lutherbilder zu entfernen seien. Darauf erhob sich im katholischen Oldenburger Münsterland und auch in den evangelischen Kirchengemeinden, wie z.B. Goldenstedt, ein Sturm der Entrüstung. Als Reaktion wurde am 25.11.1936 eine Massenkundgebung in Cloppenburg veranstaltet, auf der Gauleiter Röver durch den massiven Protest Tausender Oldenburger Münsterländer gezwungen wurde, den Erlaß zurückzunehmen - ein einmaliger Vorgang unter dem NS-Regime.

Im Jahre 1937 wurden die Stadt- und Landgemeinde zur Stadt Lohne vereinigt und von nun an gemeinsam verwaltet.

Am 12. April 1945 besetzten britische Truppen kampflos Lohne. Vom Kriegsgeschehen war die Stadt auch vorher weitgehend verschont geblieben, von gelegentlichen Notabwürfen bri-tischer Bomber und Beschuß durch Tiefflieger abgesehen, die aber nur relativ geringen Schaden anrichteten. Dennoch hatten viele Familien schweres Leid erfahren. 537 Lohner Soldaten (390 Gefallene und 147 Vermißte) bei einer Bevölkerungszahl von 8.234 im Jahre 1939 kehrten nicht aus dem Krieg zurück.

Auszug aus dem ”Stadtführer Lohne”
Hrsg. vom Heimatverein Lohne e.V.
und vom Industriemuseum Lohne e.V.
Plaggenborg Verlag
ISBN 3-929358-06-9

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