Lohne im Land Niedersachsen
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Der politische Neubeginn stand unter einem guten Stern. Nach Ansicht der britischen Besat-zungsoffiziere waren im Oldenburger Münsterland günstige Voraussetzungen gegeben für eine frühe Einführung der Demokratie auf der unteren Ebene. Schon am 19. Oktober 1945 trat der Kreistag des Landkreises Vechta zusammen - der erste in der Britischen Besatzungszone. Im gleichen Jahr konstituierte sich auch der erste Stadtrat Lohnes.

Durch eine Verordnung der britischen Militärregierung wurden die ehemaligen Länder Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die ehemalige preußische Provinz Hannover am 1.11.1946 zum Land Niedersachsen zusammengeschlossen. "Oldenburg" existierte jedoch noch mehr als drei Jahrzehnte als Niedersächsischer Verwaltungsbezirk Odenburg weiter, bis 1978 im Zuge der Verwaltungsreform aus dem Verwaltungsbezirk Odenburg und den Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück der neue Regierungsbezirk Weser-Ems gebildet wurde.

Die Jahre bis zur Währungsreform 1948 bedeuteten für die Bevölkerung Deutschlands eine harte Bewährungsprobe. Im überwiegend landwirtschaftlich strukturierten Oldenburger Mün-sterland war die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln einigermaßen gewährleistet. Ein gro-ßes Problem stellten jedoch die Unterbringung und Versorgung der 3.500 Heimatvertriebe-nen dar, die Lohne zugewiesen worden waren. Sicherlich fanden sie nicht immer bei den Einheimischen, die in der schweren Nachkriegszeit ihre eigenen Probleme hatten, die Auf-nahme, die sie nach der Leidenszeit von Flucht und Vertreibung erwarteten. Insgesamt überwog jedoch Hilfsbereitschaft und Verständnis bei den Alteingesessenen. Hinzu kam die Tatkraft und die Energie der Vertriebenen, so daß im Laufe der Jahre die Eingliederung ge-lang. 1952 übernahm die Stadt Lohne als äußeres Zeichen der Verbundenheit mit ihren hei-matvertriebenen Mitbürgern die Patenschaft für die Stadt Mittelwalde in der schlesischen Grafschaft Glatz, aus der ein Großteil der Neubürger stammte. Daran erinnert ein Findlings-block auf dem Mittelwalder Platz an der Ecke Mittelwalder- und Kettelerstraße. Neben dem Gedenkstein steht die Statue einer Madonna, die ihren Mantel schützend über eine heimat-vertriebene Familie hält. - Zum 50. Jahrestag der Vertreibung wurde am Rathaus eine Gedenktafel angebracht.

Nach der Währungsreform nahm die Wirtschaft in Lohne wie auch im übrigen Deutschland einen großen Aufschwung. Vor allem die Industrie entwickelte sich sprunghaft. Die Korkver-arbeitung wurde um 1960 von der Kunststoffindustrie abgelöst. 1973 wurde Lohne Schwer-punktort mit Betrieben verschiedener Branchen. Für diese hatte die Stadt nahezu 1,1 Millionen qm Industriefläche vor allem im Westen der Stadt ausgewiesen. Die Expansion ging weiter, und in den 90er Jahren wurde ein neues großes Industriegebiet im Norden am Brägeler Ring erschlossen. Unterstützt wurde dieser Aufschwung durch die Anbindung an die Autobahn, die 1966 bis zur Auffahrt Lohne/Dinklage fertiggestellt worden war. Dies hatte für Lohne im 20. Jh. die gleiche Bedeutung wie 1888 die Anbindung an das Eisenbahnnetz.

Auch sonst wurde die Infrastruktur ausgebaut, insbesondere das Schulwesen. Schon seit dem 19. Jh. bestand eine Bürgerschule und eine Töchterschule, außerdem war bereits in der Vorkriegszeit das gewerbliche und kaufmännische Berufsschulwesen des Kreises in Lohne konzentriert. Von den 50er Jahren an entstand nördlich der Innenstadt ein ausgedehntes Schulzentrum für die berufsbildenden Schulen, die Hauptschule, die Realschule und ab Ende der 70er Jahre für die zwei Orientierungsstufen. Hinzu kam im Jahre 1968 ein allgemeinbildendes Gymnasium "An der Kirchenziegelei".

Lohne hat im Laufe seiner über tausendjährigen Geschichte viele Höhen und Tiefen erlebt. Immer haben seine Bewohner mit Tatkraft die Entwicklung vorangetrieben. Wollte man charakteristische Merkmale der Lohner hervorheben, so sind es ihr unternehmerischer Weitblick, ihr Wagemut und ihr Ideenreichtum - Eigenschaften, die hierzulande als "Lohner Wind" bezeichnet werden.

Auszug aus dem ”Stadtführer Lohne”
Hrsg. vom Heimatverein Lohne e.V.
und vom Industriemuseum Lohne e.V.
Plaggenborg Verlag
ISBN 3-929358-06-9

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